Category Archives: Dies & Das

Alles, was sonstwo keinen Platz hat.

D-Links Antwort auf AVMs Fritz!Box: Die HorstBox!

Lange Zeit war die Fritz!Box von AVM quasi konkurrenzlos. Als Modell 7050 vereint sie DSL-Modem, Router, WLAN, VOIP und unterstützt wahlweise analoge und/oder ISDN-Endgeräte – eine richtige eierlegende Wollmilchsau also. AVM klotzt auch beim Support und hat, sehr zur Freude der Kunden, mit der Zeit jede Menge Features nachgerüstet.

Nun schickt sich D-Link an, dem Platzhirsch einen würdigen Konkurrenten entgegenzustellen. Bei der Namensgebung haben sie schon mal Humor bewiesen, nur so ist die doch etwas eigentümliche Bezeichnung HorstBox Professional zu erklären. Die Featureliste liest sich ähnlich wie die der Fritz!Box, allerdings wird offenbar mehr Standardsoftware eingesetzt. Für VOIP kommt z.B. die freie PBX-Software Asterisk zum Einsatz, womit u.a. auch SIP-Endgeräte direkt unterstützt werden. Als Betriebssystem wird vermutlich Linux oder einem BSD-Derivat verwendet. Sehr schön, das 🙂

Bleibt zu hoffen, daß D-Link ähnlich torelant gegenüber Modifikationen ist wie AVM und es dem Enduser erlaubt, die Firmware den eigenen Bedürfnissen anzupassen und neue Software zu installieren. Einen Wehrmutstropfen gibts leider auch: Wenn die HorstBox im März auf den Markt kommt, wird der Preis irgendwo jenseits von 400 EUR liegen – das aktuelle Topmodell 7170 von AVM ist bereits für weniger als die Hälfte käuflich zu erwerben.

Die Intel-Macs sind da

Steve Jobs hat auf der Macworld Expo 2006 die ersten Apple-Rechner mit Intel-CPUs vorgestellt und damit endgültig das Ende der PowerPC-Ära eingeläutet. Neben einem Desktop-PC (iMac) wurden auch neue Laptops mit dem Namen MacBook Pro vorgestellt. Alle Geräte sind ab sofort zu haben und mit Intels neuem Dual-Core Prozessor Core Duo ausgestattet. Die restliche Austattung variiert ebenso wie der Preis (1.349 bis 1.749 EUR für den iMac, 2.099 bis 2.599 EUR fürs MacBook Pro).

Warum ‚MacBook Pro‘ besser klingen soll als ‚PowerBook‘, leuchtet mir nicht so ganz ein. Der naheliegende Grund „Nähe zu PowerPC“ zieht IMHO nicht, schließlich kamen die ersten PowerBooks auch ohne PowerPC daher. Apples bleibt leider auch seiner Preispolitik treu, daher sind die Geräte in Deutschland rund 10% teurer als in den USA.

Sony, Rootkits und DRM

Erst installiert Sony Music ungefragt ein Rootkit, um damit „DRM-Software“ zu verstecken und unerwünschte Kopien der Musik-CD zu verhindern (siehe dazu Mark Russinovichs Analyse). Es ist schon schlimm genug, daß man zum Abspielen diverser geschützter Musik-CDs spezielle Abspielsoftware installieren muß, um die CDs auch am PC hören zu können. Aber das hier schlägt dem Faß den Boden aus.

Dann tun sie so, als wär das alles garnicht schlimm und stellen flugs irgendwo versteckt einen Uninstaller für die „DRM-Software“ bereit. Der Uninstaller macht seinem Namen leider keine Ehre, sondern installiert stattdessen ein Upgrade. Immerhin wird die Rootkit-Funktionalität damit beseitigt. Mit ein bißchen Glück erlebt man bei der „Deinstallation“ dann noch einen farbenprächtigen Bluescreen.

Nun bekommen sie die Quittung dafür und werden in Italien verklagt. So ist’s richtig!

Lidl: Betriebsrat gegründet, Filiale geschlossen

Da geniesse ich doch grade bei meiner allabendlichen Lektüre eine leckere „Vanille Gourmet Creme“ von meinem Lieblingsdiscounter, und dann stolpere ich über diese Nachricht. Lidl hat scheinbar etwas gegen Betriebsräte. Kurzerhand werden Filialen geschlossen, in denen sich die Mitarbeiter organisieren. Gegen die Schließung in Calw liegt zwar ein richterlicher Beschluß vor, aber das interessiert den Betreiber nicht weiter. Ich überlege grade ernsthaft, ob ich mein Geld weiterhin dort hin bringe…

Schach-WM in San Luis

Derzeit wird in San Luis (Argentinien) die FIDE Schachweltmeisterschaft ausgetragen. Die acht besten Spieler der Weltrangliste sind anwesend: Michael Adams, Vishwanathan Anand, Rustam Kasimdzhanov, Peter Leko, Judit Polgar (die einzige Frau, die sich and er Weltspitze behaupten kann), Alexander Morozevich, Peter Svidler und Veselin Topalov. Als Favoriten werden Anand und Topalov gehandelt. Letzterer wird dieser Erwartungshaltung bisher gerecht, er führt derzeit nach den ersten vier Partien mit 3,5 von 4 möglichen Punkten.

Bei Chessbase.de gibt es eine Zusammenfassung der ersten Spieltage. Die Partien werden immer live ab 20:00 Uhr auf dem Chessbase-Server übertragen, dazu wird ein Audiokommentar angeboten. Auf der englischen chessbase.com kommentiert GM Nigel Short sehr wort- und bildreich (Chessbase hat extra ein kleines Glossar dafür angelegt ;)) die Partien des Vortags. Nach dem spielfreien Sonntag geht es morgen abend weiter. Der neue FIDE Weltmeister wird spätestens am 15. Oktober feststehen und vermutlich 2006 auf Vladimir Kramnik treffen.

Mensch gegen Maschine – diesmal: 0.5:5.5

Zum ersten mal wurde dieser Wettkampf 1997 zwischen Gary Kasparov und IBMs extra dafür entwickelten Schachcomputer DeepBlue ausgetragen. Sechs Partien später war Kasparov knapp mit 3.5:2.5 geschlagen, und IBM zerlegte den Superrechner in seine Einzelteile.

2003 kam es zu einer Neuauflage. Diesmal trat Gary gegen einen deutlich schwächeren Gegner an: DeepJunior aus dem Hause Chessbase mußte sich auf einem Rechner mit 8 Xeon-CPUs beweisen. Aber schiere Rechenleistung (DeepBlue war ca. 100mal schneller als DeepJunior) ist beim Schach nicht alles, und so stand es nach sechs Partien 3:3.

In London wurde nun in den letzten Tagen erneut verbissten gekämpft. Die Kontrahenten: Michael Adams, Nummer 1 in England und Nummer 7 der Weltrangliste, trat gegen Monstercluster (64 Rechner mit je einem 3-GHz-Xeon, 8 GB RAM und einer speziellen FPGA-Karte) fegte Adams mit 5.5:0.5 vom Brett. Nur in einer Partie konnte Adams ein Remis erreichen, ansonsten hatte er weder mit Schwarz noch mit Weiss den Hauch einer Chance. Die Partien gibts zum Nachspielen auf hydrachess.com.

Bei Chessbase finden sich auch ein (derzeit) zweiteiliges Interview mit dem deutschen Großmeister Christopher Lutz, der im Team von Hydrachess für das Eröffnungsbuch zuständig ist (Teil 1, Teil 2).

Apples MacOS 10.4 für Intel geleaked

Mit der Ankündigung, in Zukunft die eigene Hardwareplattform auf Intel-CPUs umzustellen, hat Apple vor einigen Tagen die Fachwelt und auch Joe User sehr überrascht. Noch überraschter waren die Zuschauer, als Steve Jobs auf der Macworld einen lauffähigen Intel-Mac incl. Betriebssystem und Applikationen vorführte. Er erklärte, daß MacOS X angeblich schon von Anfang an ein geheimes Doppelleben geführt hat und stets parallel auch auf Intel-Hardware portiert wurde. Gleichzeitig unterstrich er, daß Apple keinesfalls plant, MacOS auf jeden beliebigen PC lauffähig zu machen, auch wenn dies technisch sicher kein Problem wäre.

Da kommt das Demosystem von der Macworld ins Spiel. Bei dem gezeigten Entwicklersystem handelt es sich um gewöhnliche PC-Hardware. Für viele war es also quasi nur eine Frage der Zeit, bis die dort gezeigte Betriebssystemversion über dunkle Kanäle an die Öffentlichkeit gelangt. Genau dieses ist nun scheinbar passiert.

Jeder kann so auf seinem PC mit einer Vorabversion ausprobieren, wie sich MacOS anfühlt und schon mal darüber nachdenken, ob ein Umstieg in Frage kommt. Es wird keine Updates und auch keinen Support geben, die Haltbarkeit der geleakten Version ist daher eher begrenzt. Für potentielle Kunden stellt es aber eine willkommene Gelegenheit dar, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Nun darf man sich fragen, wie so etwas passieren konnte. Ist Apple wirklich so blöd? Oder war es einfach ein genialer Marketingschachzug? Das weiß wohl nur Steve Jobs.

Mobiles bloggen mit WordPress

WordPress bietet von Haus aus schon die Möglichkeit, Blogeinträge via eMail zu veröffentlichen. Das ganze funktioniert relativ einfach: Man braucht lediglich ein eigenes POP3-Postfach für WordPress, und dieses wird bei jedem Auruf der wp-mail.php von WordPress abgefragt. Aber wie gestaltet man das komfortabel und möglichst automatisch?

Die einfachste Möglichkeit zuerst: Man öffnet die URL von Zeit zu Zeit manuell. So kann man zwar von unterwegs Blogeinträge vorbereiten und schon mal per eMail an WordPress schicken, aber „komfortabel“ oder „automatisch“ ist das nicht gerade.

Die nächste Möglichkeit wäre, das Postfach bei jedem Seitenaufruf abzufragen. Dazu braucht man lediglich ein

file_get_contents("http://my-domain/path-to/wp-mail.php")

einzufügen, und schon erscheinen neue Postings automatisch. Dumm nur, wenn das eigene Blog nicht oft besucht wird und so beim ersten Besuch nach einem Post per Mail ebendieses noch nicht sichtbar ist. Auch wird sehr häufig das Postfach geprüft, ohne daß eine neue Mail da ist. Bei stark frequentierten Blogs kann dies zu einer nicht unerheblichen Last auf dem Server oder anderen unangenehmen Effekten führen. GMX z.B. reagiert auf zu häufige POP3-Logins mit einer temporären Sperre des Postfachs. Durch eine prozentuale Steuerung ließe sich dies zwar eindämmen, aber letztendlich ist es nicht das, was man möchte.

Besser sind da schon zeitgesteuerte Lösungsansätze. Unter Unix lässt sich das einfach mittels cron realisieren. Um das Postfach z.B. alle 10 Minuten abfragen zu lassen, genügt ein Eintrag wie dieser in der Crontab:

*/10 * * * * wget http://my-domain/path-to/wp-mail.php

Neue Beiträge erscheinen so spätestens nach 10 Minuten im Blog. Wenn der eigene Webservice keine Cronjobs zuläßt, helfen webbasierte Dienste. Ein überzeugendes und noch dazu kostenloses Angebot bietet z.B. cronjob.de.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber: Das Postfach wird noch immer ständig geprüft, auch wenn es nichts zu tun gibt. Idealerweise sollte nur beim Eingang einer eMail etwas passieren, dann aber zeitnah. Aber wie geht das? Wohl dem, der seinen eigenen Webserver betreibt 🙂 Für Ralph habe ich das vor kurzem realisiert.

Bei mir kümmert sich qmail um die eMails. Postings gehen an die Adresse my-fancy-mobile-blog@my-domain. Dafür muß eine Datei mit dem Namen .qmail-my-fancy-mobile-blog angelegt werden:

# erst mal die Mail ins Postfach schreiben
/Pfad-zum-Maildir/
# und jetzt das Postfach durch WordPress abfragen
| /usr/bin/wget -q -O /dev/null http://my-domain/path-to/wp-mail.php

Und schon funktioniert das. 🙂

Wenn man die Ausgabe von wp-mail.php nicht in die ewigen Jagdgründe schicken, sondern sie lieber per Mail versenden möchte (um beispielsweise zu kontrollieren, daß auch alles funktioniert hat), geht das auch:

# erst mal die Mail ins Postfach schreiben
/Pfad-zum-Maildir/
# und jetzt das Postfach durch WordPress abfragen
| /usr/bin/wget -q -O /dev/stdout http://my-domain/path-to/wp-mail.php
  | /usr/bin/mailx -s "Output from mail2blog" blogcheck@my-domain

Die Ausgabe von wget wird dazu nach stdout umgeleitet und nach mailx gepiped.

Ähnlich funktioniert das auch mit Postfix oder anderen MTA. Happy mobile blogging!